Die EU hat diskutiert, eingefrorene russische Zentralbankreserven von rund 200 Milliarden Euro als Kreditsicherheit für die Ukraine zu verwenden. Das hätte Clearstream, Europas zentrales Wertpapier-Settlement-System, in rechtliche und finanzielle Gefahr gebracht. Stattdessen wurde das EU-Budget als Sicherheit eingesetzt. Laut Gerald Hörhan ist das trotzdem ein finanzpolitisches Experiment mit offenem Ausgang, weil die meisten EU-Staaten de facto überschuldet sind und die einzige Lösung langfristig die Notenpresse bleibt.
EU Staatsschulden und das Clearstream-Experiment: Was wirklich passiert ist
EU Staatsschulden sind seit Jahren ein Dauerthema, aber Ende 2025 hat die Europäische Union ein finanzpolitisches Experiment gestartet, das selbst erfahrene Investoren aufgeschreckt hat. Die Diskussion: Soll die EU die bei Clearstream eingefrorenen russischen Zentralbankreserven von rund 200 Milliarden Euro als Sicherheit für einen Ukraine-Kredit verwenden? Das klingt technisch, hat aber direkte Konsequenzen für jeden, der Aktien, Anleihen oder Immobilien besitzt.
Laut Gerald Hörhan ist das kein Randthema für Finanzexperten: "Je mehr solche finanzpolitischen Experimente gemacht werden, desto schneller wird das Geld entwertet." Wer das versteht, kann sich schützen. Wer es ignoriert, verliert Kaufkraft.
Was ist Clearstream, und warum hängt dein Depot daran?
Clearstream ist das europäische Central Security Depository (CSD), also das zentrale Wertpapier-Settlement-System. Wenn du heute eine Aktie bei einem Broker kaufst, eine Staatsanleihe zeichnest oder einen Corporate Bond hältst, dann liegt die dazugehörige Sammelurkunde bei Clearstream hinterlegt. Du hast einen Anspruch auf dein Wertpapier, aber die physische Verbriefung läuft über Clearstream.
Das Entscheidende: Wenn dein Broker pleitegeht, sind deine Wertpapiere als Sondervermögen geschützt. Du behältst Aktien und Anleihen. Aber wenn Clearstream selbst insolvent würde, ist das eine andere Kategorie von Problem. Das wäre ein "Too big to fail"-Szenario, bei dem die EZB massiv eingreifen müsste, um den europäischen Kapitalmarkt am Laufen zu halten.
- Settlement-Verzögerungen beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren
- Kurzfristig explodierende Zinsen auf Staatsanleihen
- Massiv erschwerte Staatsfinanzierung in ganz Europa
- Notwendigkeit einer EZB-Intervention mit frisch gedrucktem Geld
Genau das hätte auf dem Spiel gestanden, wenn Russland Clearstream vor internationalen Gerichten erfolgreich verklagt hätte, nachdem die EU die 200 Milliarden Euro als Kreditsicherheit eingesetzt hätte.
Warum ist das völkerrechtliches Neuland?
Beschlagnahmungen von Zentralbankreserven gab es historisch immer wieder. Aber diese Reserven dann als Sicherheit für einen Drittkredit zu verwenden, ist eine andere Dimension. Wenn der Kredit nicht zurückgezahlt wird, muss die Sicherheit herhalten. Das heißt, die russischen Reserven wären de facto verbraucht worden, nicht nur eingefroren.
Selbst im Zweiten Weltkrieg wurden Zentralbankreserven nur begrenzt für solche Maßnahmen eingesetzt. Russland hätte theoretisch vor internationalen Gerichten auf Rückgabe der Reserven plus Zinsen und Strafgebühren klagen können. Ob ein solches Urteil in Europa vollstreckt worden wäre, ist fraglich. Aber in anderen Ländern, in denen Clearstream Vermögenswerte hält, wäre das möglicherweise anders gewesen.
„Das wäre fast Uncharted Territory gewesen. Finanzpolitisch und geopolitisch Neuland, dessen Ausgang ungewiss ist." — Gerald Hörhan
Die EU-Kommission hat diesen Weg letztlich nicht gewählt. Stattdessen wurde das EU-Budget selbst als Sicherheit verwendet, um einen Kredit von rund 100 Milliarden Euro für die Ukraine zu schaffen. Die Ukraine soll diesen Kredit aus russischen Reparationszahlungen irgendwann zurückzahlen. Wie das konkret funktionieren soll, ist Stand 2025 noch offen.
Wie gefährlich sind die EU Staatsschulden wirklich?
Das EU-Budget als Kreditsicherheit klingt solider als eingefrorene russische Reserven. Aber es bleibt ein fiskalpolitisches Experiment, wenn man sich die Ausgangslage ansieht: Die meisten EU-Mitgliedsstaaten sind de facto überschuldet. Frankreich kämpft mit einem strukturellen Defizit, Italien sowieso, Spanien ebenso. Österreich läuft bereits in einem EU-Defizitverfahren. Selbst Deutschland hat mit dem neuen Sondervermögen von 500 Milliarden Euro den Weg in deutlich höhere Schulden eingeschlagen.
In der Praxis bedeutet das: Das EU-Budget, das als Sicherheit dient, wird von Ländern befüllt, die selbst am Limit sind. Wenn mehrere große EU-Staaten gleichzeitig unter Druck geraten, wird diese Sicherheit fragil. Der 10-Jahres-Euro-Swapsatz ist bereits von rund 2,5 Prozent auf 2,8 bis 2,9 Prozent gestiegen, ein Signal, dass die Finanzmärkte die gestiegenen Risiken im europäischen System einpreisen.
Höhere langfristige Zinsen bedeuten: teurere Immobilienkredite, schwächere Immobilienpreise, schwierigere Staatsfinanzierung. Das ist keine abstrakte Gefahr, das trifft Investoren direkt.
Was ist die einzige realistische Lösung für überschuldete Staaten?
Laut Gerald Hörhan gibt es aus wirtschaftlicher Sicht nur einen Ausweg aus der Überschuldungsspirale: die Notenpresse. Die EZB kauft Staatsanleihen (Quantitative Easing), senkt damit die Renditen auf Staatsanleihen und macht die Staatsfinanzierung wieder leistbar. Das ist nach der Finanzkrise 2008 passiert, in der Griechenlandkrise, nach Corona, und in Amerika hat die Fed dasselbe getan.
Das Mittel wirkt kurzfristig. Die Fed hat bereits damit begonnen, Staatsanleihen wieder zu kaufen, und die Renditen auf zehnjährige US-Staatsanleihen sind auf rund 4 Prozent gesunken. Aber der Preis ist Geldentwertung. In Österreich liegt die offizielle Inflation bereits bei 4 bis 5 Prozent. Die faktische Inflation, je nach persönlichem Lifestyle, liegt laut Hörhan bei rund 10 Prozent pro Jahr.
Das ist keine Hyperinflation. Aber es ist eine beschleunigte, schleichende Enteignung von Sparern und Bargeldhaltern.
Ist der Euro deshalb zum Scheitern verurteilt?
Nein, und das ist ein wichtiger Punkt. Der Euro ist neben dem US-Dollar eine der zwei großen Weltwährungen. Der Dollar wurde bereits von allen großen Ratingagenturen herabgestuft, die USA haben kein Triple-A-Rating mehr. Clearstream hatte vor der Fitch-Herabstufung noch Triple-A. Beide Währungssysteme haben strukturelle Probleme, aber beide haben den Status als "Lender of Last Resort" ihrer Zentralbanken.
Stand 2026 könnte der Euro gegenüber dem Dollar sogar steigen. Wenn Trump die Fed-Zinsen aggressiv auf Richtung 1 Prozent drückt und die EZB die Zinsen weniger stark senkt, fällt der Dollar relativ zum Euro. Das ist auch ein erklärtes Ziel der Trump-Administration: einen schwächeren Dollar für mehr Exporte. Wer in Euro-Assets investiert ist, könnte davon profitieren.
Das Schweizer Beispiel zeigt, was möglich ist: Der Schweizer Franken steigt seit Jahren, obwohl die Zinsen in der Schweiz praktisch bei null liegen. Der Grund ist einfach: Das Vertrauen in die Schweizer Staatsfinanzen ist deutlich größer als in die der EU oder der USA. Kantone wie Zug produzieren sogar Überschüsse. Das Gegenteil von dem, was in Frankreich, Italien oder Österreich passiert.
Was bedeutet das konkret für dich als Investor?
Aus der Praxis von Gerald Hörhan als Immobilien- und Kapitalmarktinvestor ergibt sich eine klare Schlussfolgerung: Sachwerte schützen vor Geldentwertung. Als Immobilieninvestor profitierst du sogar direkt, wenn das Geld weniger wert wird. Deine Schulden werden real günstiger, während der Wert deiner Immobilien mit der Inflation steigt.
- Immobilien als Inflationsschutz: Mietsteigerungen gleichen Geldentwertung aus
- Gold und Kryptos als Alternative zu Fiat-Währungen
- Aktien als Beteiligung an realen Unternehmen, die Preise weitergeben können
- Keine großen Barreserven in Euro oder Dollar halten
Goldman Sachs hat nicht umsonst von den "Basement of World Currencies" gesprochen. Nicht umsonst gibt es einen Run auf Gold, Kryptos und Sachwerte. Die Märkte sehen, was passiert: Währungen verlieren an Wert. Wer das rational analysiert statt in Panik zu verfallen, kann auch in turbulenten Zeiten Geld verdienen.
Europa ist kein verlorener Kontinent. Aber je mehr finanzpolitische Experimente gemacht werden, desto schneller wird die Geldentwertung. Wachsam bleiben, in Sachwerte investieren, und nicht auf das Bankguthaben vertrauen: Das ist die Strategie, die in diesem Umfeld funktioniert.
EU Staatsschulden
: Häufige Fragen
Häufige Fragen
Was ist Clearstream und warum ist es so wichtig?
Clearstream ist Europas zentrales Wertpapier-Settlement-System (Central Security Depository). Wenn du eine Aktie oder Staatsanleihe kaufst, wird die Sammelurkunde bei Clearstream hinterlegt. Würde Clearstream insolvent, wären Settlement-Verzögerungen, explodierende Zinsen und massive Verwerfungen an den Finanzmärkten die Folge. Es ist schlicht zu groß, um es fallen zu lassen.
Warum hat die EU die russischen Zentralbankreserven nicht direkt verwendet?
Das Beschlagnahmen von Zentralbankreserven als direkte Kreditsicherheit ist völkerrechtliches Neuland. Russland hätte vor internationalen Gerichten klagen können, und ein Urteil zugunsten Russlands hätte Clearstream zwingen können, Milliarden zurückzuzahlen oder Vermögenswerte zu verlieren. Die EU wählte daher den sichereren Weg über das EU-Budget.
Was passiert mit dem Euro, wenn Europa immer mehr Schulden macht?
Laut Gerald Hörhan ist die wahrscheinlichste Lösung die Finanzierung über die Notenpresse: Die EZB kauft Staatsanleihen (Quantitative Easing), senkt damit die Renditen, aber entwertet gleichzeitig den Euro. Das bedeutet beschleunigte Geldentwertung, keine Hyperinflation, aber spürbar weniger Kaufkraft, je nach Lifestyle faktisch 10 Prozent Inflation pro Jahr.
Wie schütze ich mein Vermögen vor der Geldentwertung in Europa?
Sachwerte wie Immobilien, Gold und Kryptos schützen vor Geldentwertung, weil ihr Wert nicht direkt an eine Währung gekoppelt ist. Als Immobilieninvestor profitierst du sogar: Wenn das Geld weniger wert wird, werden auch deine Schulden real weniger wert. Entscheidend ist, jetzt in Assets zu investieren statt Bargeld zu horten.
Ist der Euro-Zusammenbruch ein reales Szenario?
Nein, nicht kurzfristig. Der Euro ist neben dem US-Dollar eine der beiden großen Weltwährungen. Beide haben strukturelle Probleme, aber beide haben auch den "Lender of Last Resort"-Status ihrer Zentralbanken. Stand 2026 könnte der Euro gegenüber dem Dollar sogar steigen, wenn die Fed die Zinsen aggressiver senkt als die EZB.

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