Die Stagflation der 70er Jahre droht zurückzukehren: Ölpreis Richtung 100 bis 115 Dollar, zerstörte Gasfelder im Mittleren Osten und eine Fed, die die Zinsen nicht senken kann, weil die Inflation nicht nachlässt. Laut Gerald Hörhan liegt die Wahrscheinlichkeit eines langen Konflikts mit Rezession und hoher Inflation mittlerweile bei über 50 Prozent. Wer jetzt nicht flexibel aufgestellt ist, riskiert sein Vermögen. Krisenzeiten legen aber auch die Basis für die größten Vermögen der nächsten Dekade.
Die Stagflation 70er Jahre gilt als eine der schlimmsten Wirtschaftsphasen der modernen Geschichte. Jetzt, da der Krieg im Mittleren Osten eskaliert, Öl- und Gasfelder beschossen werden und der Ölpreis Richtung 100 bis 115 Dollar pro Barrel klettert, stellt sich eine unangenehme Frage: Wiederholt sich das Szenario von damals? Laut Gerald Hörhan ist diese Möglichkeit nicht mehr theoretisch, sondern real und die Wahrscheinlichkeit steigt täglich.
Was passierte wirklich in den 70er Jahren: Stagflation als Blaupause
Wer die Stagflation 70er Jahre verstehen will, muss zwei Ereignisse kennen. Der erste Ölpreisschock kam 1973, ausgelöst durch den Sechs-Tage-Krieg zwischen Israel und den arabischen Staaten. Nach der militärischen Niederlage verhängten die arabischen Länder einen Ölboykott gegen den Westen. Der Ölpreis vervielfachte sich innerhalb von Monaten, die Börsen brachen massiv ein, es gab autofreie Sonntage und schwere Rezessionen in ganz Europa und den USA.
Der zweite Ölpreisschock folgte 1979 mit der Iranischen Revolution. Ayatollah Khomeini stürzte den Schah, in der US-Botschaft in Teheran wurden 462 Geiseln genommen. Die Zinsen in den USA stiegen auf bis zu 15 Prozent. Städte wie New York gingen faktisch bankrott. Aktien, Anleihen und Immobilienmärkte fielen gleichzeitig. Es war eine Zeit von Streiks, Terrorismus und populistischer Politik.
Das Entscheidende damals: Es war kein normaler Abschwung, sondern ein sogenannter Supply Shock (= Angebotsschock durch echten Rohstoffmangel). Zu wenig Öl und Gas bedeutet höhere Preise für Heizen, Benzin, Düngemittel und Nahrungsmittel. Die Inflation kommt nicht aus überhitzter Nachfrage, sondern aus echtem Mangel. Genau das macht sie so schwer zu bekämpfen.
Warum ist die aktuelle Lage ähnlich wie die Stagflation der 70er Jahre?
Es gibt Unterschiede zur Situation vor 50 Jahren. Die USA sind heute kein großer Ölimporteur mehr, sondern Nettoexporteur. Das dämpft den direkten Effekt eines Nahostembargos auf die amerikanische Wirtschaft. Außerdem gibt es keinen vollständigen Ölboykott wie 1973, sondern eine militärische Eskalation mit gezielten Angriffen auf Energieinfrastruktur.
Aber: Die Staaten sind heute deutlich höher verschuldet als damals. Deutschland hat gerade erst den Weg der Hochverschuldung eingeschlagen. Frankreich, England, Spanien, Italien, Österreich, die USA und Japan tragen historisch hohe Schuldenberge. Wenn jetzt noch Aufrüstung und Kriegsausgaben dazukommen, wird die Finanzierungsfrage akut. Der Unterschied zur Stagflation 70er Jahre: Damals konnten die Staaten noch aus einer Position relativer Stärke reagieren.
„Krieg ist das Unproduktivste, was es gibt. Und eine Kriegswirtschaft hat immer zur Entwertung des Geldes geführt." (Gerald Hörhan)
Stand März 2026 ist der Ölpreis je nach Sorte bereits auf 100 bis 115 Dollar gestiegen, Gas hat massiv zugelegt. Am 18. März 2026 fiel an einem einzigen Tag alles: Aktien, Anleihen, Gold minus 5 bis 6 Prozent, Silber minus 10 Prozent, Palladium minus 8 Prozent, Kryptos, Immobilienaktien. Das ist kein normaler Markteinbruch, das ist ein Zeichen systemischer Unsicherheit.
Was macht die Fed jetzt, und warum ist das entscheidender als der Krieg selbst?
In der Praxis ist die Fed derzeit wichtiger für die Märkte als der Krieg selbst. Die amerikanische Notenbank hat zwei Mandate: Vollbeschäftigung und Geldwertstabilität. Bei einem Ölpreisschock und gleichzeitiger Rezession widersprechen sich diese Ziele direkt, genau wie bei der Stagflation 70er Jahre.
Erhöht die Fed die Zinsen, um die Inflation zu bekämpfen, fallen Aktien, Anleihen, Immobilien und Kryptos gleichzeitig. Toleriert sie mehr Inflation, läuft die Geldentwertung aus dem Ruder. Fed-Chef Powell hat am 18. März 2026 klar gemacht: keine Zinssenkungen, möglicherweise sogar Erhöhungen. EZB-Chefin Lagarde denkt ebenfalls laut über Zinserhöhungen nach.
Gleichzeitig steigen die langfristigen Zinsen am Markt, weil niemand weiß, wer die Budgetdefizite finanzieren soll. Die Rendite zehnjähriger deutscher Bundesanleihen ist um 0,3 Prozentpunkte gestiegen, in Frankreich um 0,4 Prozentpunkte, in England liegen die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen bereits bei fast 5 Prozent. Das ist Gift für alle Asset-Klassen gleichzeitig.
Die zwei realistischen Szenarien für Anleger
Laut Gerald Hörhan gibt es zwei Szenarien, die man als Anleger kennen muss:
- Szenario 1: Schnelles Kriegsende. Trump und Israel setzen sich durch, der Iran knickt ein. Ölpreis fällt, Zentralbanken senken Zinsen, Aktienmärkte und Immobilienmärkte boomen, Kryptos explodieren. Dieses Szenario war vor wenigen Wochen noch mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit eingepreist. Heute liegt sie unter 50 Prozent.
- Szenario 2: Langer Konflikt mit Stagflation. Der Iran kämpft weiter, die Straße von Hormuz bleibt gesperrt, weitere Öl- und Gasanlagen werden zerstört. Benzin kostet 3 Euro pro Liter, Strom verdoppelt sich, Flughäfen rationieren Kerosin. Sinkende Börsenjahre, Immobilien nur in Top-Lagen stabil, Anleihen mit erheblichem Minus.
In Szenario 2 ist die Frage, ob die Zentralbanken erneut beginnen, Staatsanleihen zu kaufen, um einen Kollaps der Staatsfinanzen abzuwenden. Das haben EZB und Fed schon mehrfach gemacht: in der Griechenland-Krise, bei Berlusconi, in der Covid-Krise. Der Preis dafür ist immer derselbe: stärkere Inflation und damit ein weiterer Schritt in Richtung Stagflation 70er Jahre.
Was bedeutet das konkret für dein Vermögen?
In der Praxis bedeutet Stagflation: Es gibt keinen einfachen sicheren Hafen mehr. Gold ist langfristig ein guter Inflationsschutz, kurzfristig aber massiv volatil, wie der Einbruch um 5 bis 6 Prozent am 18. März 2026 gezeigt hat. Immobilien in Top-Lagen halten den Wert, in schlechten Lagen drohen deutliche Verwerfungen. Anleihen sind bei steigenden Zinsen klar negativ. Kryptos: geopolitische Eskalation ist tendenziell bullisch, steigende Zinsen sind negativ, das Netto ist unklar.
Aus 25 Jahren Investmenterfahrung weiß ich: Krisenzeiten legen die Basis für die größten Vermögen der nächsten Dekade. Wer 2009 gekauft hat, hat das Jahrzehnt gewonnen. Wer 2020 in der Covid-Panik investiert hat, ebenfalls. Das Problem ist: Man muss die Krise überstehen, bevor man profitiert. Wer jetzt überfordert ist und alles verkauft, realisiert die Verluste dauerhaft.
Wie bereitest du dich richtig auf eine mögliche Stagflation vor?
Flexibilität ist das Gebot der Stunde. Laut Gerald Hörhan bedeutet das konkret:
- Vermögensallokation diversifizieren: Immobilien in Top-Lagen, Gold als Langfristschutz, Liquidität für Opportunitäten
- Keine Anleihen mit langer Laufzeit in einem Umfeld steigender Zinsen
- Geopolitik und Zentralbankentscheidungen aktiv verfolgen, nicht ignorieren
- Aufenthaltsort und Einkommensquellen flexibel halten
- In neue Technologien und Volkswirtschaft investieren, auch intellektuell
Was definitiv nicht funktioniert: staatliche Preiskontrollen auf Benzin, Nahrungsmittel oder Mieten. In der Geschichte hat das immer zu Schwarzmärkten geführt. Wer in der Vergangenheit Benzin rationiert hat, stand stundenlang an der Tankstelle, während andere das Dreifache zahlten und sofort bekamen. Das wird sich wiederholen, wenn die Politik wieder in Panik reagiert, wie es in den 70er Jahren zu beobachten war.
Die Wahrscheinlichkeit der Wiederholung der 30er Jahre hält Gerald Hörhan nach wie vor für gering, im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Die Wahrscheinlichkeit einer Stagflation 70er Jahre ist deutlich höher. Wer das ignoriert, macht einen teuren Fehler. Augen auf, flexibel bleiben, und das Steuerruder der eigenen Finanzen selbst in die Hand nehmen.
Stagflation 70er Jahre
: Häufige Fragen
Häufige Fragen
Was war die Stagflation der 70er Jahre genau?
In den 70er Jahren traf ein doppelter Ölpreisschock die westliche Welt: 1973 durch den arabischen Ölboykott nach dem Sechs-Tage-Krieg, 1979 durch die Iranische Revolution. Die Folge war eine Kombination aus hoher Inflation und schwerer Rezession. In den USA stiegen die Zinsen auf bis zu 15 Prozent, Städte wie New York gingen faktisch bankrott.
Warum kann die Fed bei Stagflation nicht einfach die Zinsen senken?
Die Fed hat zwei Mandate: Vollbeschäftigung und Geldwertstabilität. Bei Stagflation widersprechen sich diese Ziele direkt. Senkt sie die Zinsen, stützt sie die Wirtschaft, aber die Inflation läuft aus dem Ruder. Erhöht sie die Zinsen, bekommt sie die Inflation in den Griff, aber Aktien, Anleihen, Immobilien und Kryptos fallen gleichzeitig.
Welche Szenarien gibt es für den Krieg im Mittleren Osten und die Märkte?
Laut Gerald Hörhan gibt es zwei realistische Szenarien: Erstens ein schnelles Kriegsende mit fallendem Ölpreis und Marktboom. Zweitens ein langer Konflikt mit Stagflation, sinkenden Börsenjahren und Energieknappheit. Die Wahrscheinlichkeit des schnellen Endes ist von 75 auf unter 50 Prozent gesunken, Stand März 2026.
Wie schütze ich mein Vermögen bei drohender Stagflation?
Immobilien in Top-Lagen, Gold als langfristiger Inflationsschutz und ausreichend Liquidität für Opportunitäten sind laut Gerald Hörhan die wichtigsten Bausteine. Anleihen mit langer Laufzeit meiden. Keine Panikverkäufe, denn Krisenzeiten legen die Basis für die größten Vermögen der nächsten Dekade.
Lohnt sich Gold als sicherer Hafen bei Stagflation?
Langfristig ja, kurzfristig nein. Gold fiel am 18. März 2026 um 5 bis 6 Prozent, Silber sogar um 10 Prozent, obwohl der Krieg eskalierte. In Stagflationsphasen ist Gold volatil, aber über 5 bis 10 Jahre ein solider Schutz gegen Geldentwertung, wie die 70er Jahre gezeigt haben.

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