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Europawahl 2024: Warum die deutsche Regierung hart abgestraft wurde
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Europawahl 2024: Warum die deutsche Regierung hart abgestraft wurde

Die Europawahl 2024 war ein Denkzettel für die Ampelkoalition: Grüne verloren 9 Mandate, die AfD wurde zweitstärkste Kraft. Gerald Hörhan analysiert, warum Wohlstandsverlust, Energiepolitik und Überregulierung die Wähler in die Arme der Rechtspopulisten getrieben haben.

Gerald Hörhan
Geschrieben von
Gerald Hörhan
CEO InvestmentPunk Academy GmbH
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Auf einen blick Zusammengefasst

Bei der Europawahl 2024 wurden die Grünen mit minus 9 Mandaten und die SPD mit minus 2 Mandaten abgestraft, während die AfD mit 16 Prozent zur zweitstärksten deutschen Partei aufstieg. Laut Gerald Hörhan ist das Ergebnis eine direkte Quittung für Wohlstandsverlust: Das Geld ist seit Corona 30 Prozent weniger wert, Energiepreise explodierten, und Gesetze wie das Heizungsgesetz verunsicherten Millionen Bürger. Der Rechtsruck in Deutschland und Österreich war deutlich schärfer als im EU-Durchschnitt.

Europawahl 2024: Das Ergebnis auf einen Blick

Die Europawahl 2024 hat ein klares Signal gesendet: Die Wähler in Deutschland und Österreich sind unzufrieden, und sie haben das in Stimmen übersetzt. Auf europäischer Ebene gewannen die Rechtspopulisten insgesamt 13 Sitze hinzu, bei 720 Parlamentssitzen im EU-Parlament kein Erdrutsch. Doch der Blick auf Deutschland und Österreich zeigt ein anderes Bild, das die politische Klasse nicht ignorieren kann.

In Deutschland holte die CDU 30 Prozent der Stimmen, die AfD 16 Prozent und wurde damit zweitstärkste Kraft. Die Grünen verloren 9 Mandate, die SPD 2. In Österreich wurde die FPÖ mit 25 Prozent sogar stärkste Partei, noch vor der ÖVP mit 24,5 Prozent und der SPÖ mit 23 Prozent. Der Rechtsruck in Deutschland und Österreich war deutlich schärfer als im EU-Durchschnitt. Das ist Fakt, und das hat Gründe.

Die Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen wird voraussichtlich im Amt bleiben. Auf der Ebene des EU-Parlaments hat sich also weniger verändert, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Der eigentliche politische Schock sitzt in Berlin und Wien, nicht in Brüssel.

Warum die Ampelkoalition die Quittung bekommen hat

Laut Gerald Hörhan ist das Wahlergebnis kein Zufall, sondern eine direkte Folge politischer Fehlentscheidungen. Die Ampelkoalition hat in kurzer Zeit eine beeindruckende Sammlung an Eigentreffern produziert: gegenseitige Blockaden, wenige richtige und viele falsche Entscheidungen, und eine Wirtschaftspolitik, die selbst ein Schüler kaum nachvollziehen könnte.

Das Heizungsgesetz war das Symbol dieser Politik. Ein Gesetz, das Millionen Haushalte zur Umrüstung ihrer Heizung zwingen wollte, ohne dass die Infrastruktur dafür bereit war. Gleichzeitig wurden Atomkraftwerke abgeschaltet, obwohl die Energieversorgung längst nicht gesichert war. Das Ergebnis: Energiepreise, die durch die Decke schossen, und ein Wohlstandsverlust, der seit Corona spürbar ist. Das Geld ist seit 2020 real rund 30 Prozent weniger wert.

Hinzu kommt das Elektromobilitätsgesetz, das ein vollständiges Verbrennerverbot anstrebte, ohne dass die nötige Ladeinfrastruktur existiert. Die Automobilindustrie ist eine der Kronjuwelen der deutschen Wirtschaft. Wer diese Branche durch schlecht durchdachte Verbote gefährdet, darf sich nicht wundern, wenn Wähler das quittieren.

„Eine Regierung kann nicht dauerhaft gegen ihre Wähler regieren. Macht sie das, wird sie bei der nächsten Wahl abgewählt." – Gerald Hörhan

Welche Themen die Europawahl 2024 wirklich entschieden haben

Die Wähler hatten klare Prioritäten, und die unterscheiden sich deutlich von dem, was die etablierten Parteien in den Mittelpunkt gestellt haben. Frieden stand an erster Stelle, gefolgt von sozialer Sicherheit und Wirtschaft. Das Klimathema hat massiv an Bedeutung verloren.

  • Frieden und Kriegsangst: Waffenlieferungen, Aufrüstung und Diskussionen über eine mögliche Wehrpflicht verunsichern breite Bevölkerungsschichten. Viele Bürger wollen keine weitere Eskalation, sondern Diplomatie und Deeskalation.
  • Wirtschaft und Wohlstand: Energiepreise, Inflation und die Abwanderungsgedanken großer Konzerne sind im Alltag spürbar. Die Automobilindustrie, eine der Kronjuwelen Deutschlands, wird durch das Verbrennerverbot bedroht.
  • Zuwanderung und innere Sicherheit: Das Thema bleibt polarisierend, steht aber weit oben auf der Prioritätenliste der Bevölkerung. Kombiniert mit Kriminalitätssorgen hat es viele Stimmen in Richtung Rechtspopulisten gelenkt.
  • Klimapolitik und Überregulierung: Klimaschutz ist als Prinzip akzeptiert, aber sobald er die eigene Heizung, das eigene Auto oder die eigene Brieftasche direkt betrifft, kippt die Zustimmung schnell.

Besonders das letzte Thema zeigt, wie weit die Grünen von der Lebensrealität vieler Menschen entfernt agiert haben. Ob ich mein Haus beheize, welches Auto ich fahre, was ich esse oder ob ich reisen darf, das sind Grundbedürfnisse. Wer diese reguliert oder verteuert, riskiert eine Rebellion an der Wahlurne. Genau das ist bei der Europawahl 2024 passiert.

Ist der Rechtsruck wirklich so dramatisch wie dargestellt?

Hier lohnt ein nüchterner Blick auf die Zahlen. Im EU-Parlament gibt es 720 Sitze. Die rechtspopulistischen Fraktionen gewannen in Summe plus 13 Sitze. Das ist ein Zugewinn, aber kein historischer Erdrutsch. Die großen Volksparteien, also Konservative, Sozialdemokraten und Liberale, bleiben die dominierenden Kräfte im Europaparlament.

Macron hat in Frankreich auf das starke Abschneiden des Rassemblement National mit Neuwahlen reagiert. Das Kalkül: Rechtspopulisten entzaubern sich selbst, wenn sie regieren müssen und Versprechen nicht einhalten können. In Österreich hat dieses Muster bereits funktioniert. Als die FPÖ unter Wolfgang Schüssel in die Regierung geholt wurde, machte sie Fehler, spaltete sich sogar, und verlor danach massiv. Ob Macrons Strategie aufgeht, bleibt abzuwarten.

Grundsätzlich gilt: Radikale Parteien haben selten echte Lösungen. Sie haben große Sprüche und mehr nicht. Das darf man nicht unterschätzen, auch wenn der Protest gegen die etablierten Parteien verständlich ist.

Klimapolitik: Was das Wahlergebnis für den Green Deal bedeutet

Vor fünf Jahren war der New Green Deal das Leitprojekt der EU. Gasheizungen raus, Ölheizungen raus, Verbrenner weg, Nahrungsmittelketten umstellen. Heute ist von diesem Furor wenig übrig. Im EU-Wahlkampf 2024 dominierte nicht Klimaschutz, sondern Sicherheit, Verteidigung und Wirtschaft.

Das Verbrennerverbot steht auf der Kippe. CDU und mehrere andere Parteien wollen es zurücknehmen. England hat bereits signalisiert, den Zeitplan zu strecken. Die ESG-Regeln bei Banken bleiben bestehen, aber der politische Wind hat gedreht. Laut Gerald Hörhan ist das keine Überraschung: Wenn Klimapolitik den Wohlstand kostet und gleichzeitig Atomkraftwerke abgeschaltet werden, während die Ladeinfrastruktur fehlt, versteht das auch der einfache Bürger. Irgendwann kann das physisch nicht mehr funktionieren.

Das bedeutet nicht, dass Klimaschutz vom Tisch ist. Die ESG-Regeln bleiben, der Druck auf Unternehmen bleibt. Aber die Geschwindigkeit und die Methoden der Umsetzung werden sich ändern müssen, wenn Regierungen nicht weiter abgestraft werden wollen.

Zuwanderung: Warum weder Abschottung noch offene Grenzen funktionieren

Das Thema Zuwanderung ist das emotionalste der Europawahl 2024. Rechtspopulisten fordern vollständige Abschottung, Linkspopulisten wollen grenzenlose Aufnahme. Beide Positionen sind in der Praxis falsch, und beide schaden Deutschland langfristig.

Die Realität ist nüchtern: Deutschland hat eine Geburtenrate, die zu Bevölkerungsschrumpfung führt, ähnlich wie China und andere entwickelte Länder. Ohne Zuwanderung schrumpfen Wirtschaft, Immobilienmärkte und Steuereinnahmen. In der Vergangenheit hat Deutschland Arbeitskräftemangel durch Zuwanderung gelöst, aus Jugoslawien, Italien und Griechenland. Das funktioniert auch heute, wenn es geregelt und rechtsstaatlich abläuft.

Wer Straftaten begeht, muss nach dem Gesetz bestraft werden. Das ist keine rechte Forderung, das ist Rechtsstaatlichkeit. Und wer Respekt vor der Polizei und den Gesetzen verweigert, macht den gesellschaftlichen Zusammenhalt unmöglich. Die Lösung liegt nicht bei den Extremen, sondern in einer geregelten Einwanderungspolitik, die wirtschaftliche Notwendigkeit und innere Sicherheit zusammenbringt. Ob das die aktuellen politischen Kräfte liefern können, steht in den Sternen.

Was bedeutet das Ergebnis für Investoren und den Standort Deutschland?

Für Investoren und Unternehmer ist das Wahlergebnis der Europawahl 2024 ein Signal, das man ernst nehmen sollte. Wenn große Konzerne ernsthaft über Abwanderung aus Deutschland nachdenken, ist das keine abstrakte Gefahr am Horizont, sondern eine konkrete wirtschaftliche Realität. Hohe Energiepreise, ausufernde Bürokratie, Lieferkettengesetze und ein ideologisch geprägter Green Deal machen den Standort Deutschland weniger attraktiv als noch vor zehn Jahren.

In der Praxis bedeutet das für Investoren: Wer in Deutschland in Immobilien oder Unternehmen investiert, muss die politische Risikokomponente stärker einpreisen als noch vor fünf Jahren. Stand 2024 ist die Planungssicherheit gesunken, die Kosten sind gestiegen, und der politische Kurs ist schwer vorhersehbar. Gleichzeitig bleibt Deutschland eine der größten Volkswirtschaften der Welt mit stabilen Institutionen, einem gut ausgebildeten Arbeitskräftepotenzial und starker Exportbasis.

Das Potenzial ist da. Aber es wird durch schlechte Politik systematisch verschwendet. Aus 25 Jahren Erfahrung mit europäischen Märkten lässt sich eines sagen: Länder, die wirtschaftliche Vernunft über ideologische Projekte stellen, wachsen. Länder, die das umkehren, stagnieren. Deutschland hat gerade die Wahl, welchen Weg es einschlägt.

Europawahl 2024

: Häufige Fragen

Häufige Fragen

Wie stark war der Rechtsruck bei der Europawahl 2024 wirklich?

Auf europäischer Ebene war der Rechtsruck überschaubar: Die Rechtspopulisten gewannen 13 von 720 Parlamentssitzen dazu, also kein Erdrutsch. In Deutschland und Österreich fiel der Rechtsruck jedoch deutlich schärfer aus. Die AfD wurde mit 16 Prozent zweitstärkste Kraft in Deutschland, die FPÖ in Österreich sogar stärkste Partei mit 25 Prozent.

Warum haben die Grünen bei der Europawahl 2024 so stark verloren?

Die Grünen verloren in Deutschland 9 Mandate, weil ihre Politik direkt in die Brieftasche der Bürger eingriff. Das Heizungsgesetz, das Verbrennerverbot und steigende Energiekosten machten Klimaschutz für viele Menschen zu einem teuren Luxus. Sobald Regulierung das eigene Zuhause, das Auto und die Heizung betrifft, schlägt Zustimmung schnell in Ablehnung um.

Was bedeutet das Europawahl-Ergebnis für die Wirtschaft in Deutschland?

Das Ergebnis ist ein Signal, dass die Bevölkerung eine wirtschaftsfreundlichere Politik fordert. Immer mehr Bürokratie, teure Energie und der gescheiterte Green Deal belasten Unternehmen so stark, dass viele Konzerne bereits über Abwanderung nachdenken. Ein Kurswechsel hin zu weniger Ideologie und mehr Wohlstandsorientierung ist laut Gerald Hörhan dringend nötig.

Was war Macrons Kalkül hinter den Neuwahlen in Frankreich nach der Europawahl?

Macron rief nach dem starken Abschneiden des Rassemblement National Neuwahlen aus, um die Rechtspopulisten zu entzaubern. Die Strategie: Wer regiert, muss liefern und verliert seinen Protestcharakter. Dieses Muster hat man in Österreich schon beobachtet, als die FPÖ in der Regierung Fehler machte und danach massiv verlor.

Braucht Deutschland Zuwanderung trotz der politischen Debatte?

Ja, wirtschaftlich ist Zuwanderung unverzichtbar. Deutschland hat eine Geburtenrate, die zu Bevölkerungsschrumpfung führt, und bereits heute einen spürbaren Arbeitskräftemangel. Ohne gezielte Zuwanderung schrumpfen Wirtschaft, Immobilienmärkte und Steuereinnahmen. Die Lösung liegt nicht in Abschottung oder grenzenloser Aufnahme, sondern in einer geregelten, rechtsstaatlichen Einwanderungspolitik.

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