Ruhestand ist laut Gerald Hörhan der Beginn vom Ende: Wer aufhört zu arbeiten, verliert geistige Fitness, soziales Netzwerk und körperliche Gesundheit schneller als erwartet. Dazu kommen massive Kosten, die die meisten unterschätzen: Steuern auf nachversteuertes Geld, keine Firmenvorteile mehr, steigende Gesundheitskosten und ein Lebensstandard, der mindestens 10 Millionen Euro Vermögen voraussetzt. Wer hingegen aktiv bleibt, ob als operativer Investor, Berater oder Unternehmer, verlängert seine aktive Lebenszeit um 10 bis 15 Jahre.
Ruhestand ist keine Option, wenn du gut und lange leben willst. Das ist die klare Botschaft, die ich aus 25 Jahren Beobachtung von Menschen in allen Vermögensklassen ziehe. Wer aufhört zu arbeiten und sich keine sinnvolle Alternative sucht, startet einen Prozess, den ich als geistige und körperliche Verwelkung bezeichne. Und der endet schneller als du denkst.
Was Ruhestand mit deinem Gehirn wirklich macht
Solange du beruflich aktiv bist, ob als Unternehmer oder als leitender Angestellter, bist du gezwungen, dein Gehirn zu trainieren. Du musst Neues lernen, Probleme lösen, Entscheidungen treffen. Wer heute nicht über KI, Kryptos und digitale Geschäftsmodelle Bescheid weiß, verliert seine Position. Das ist kein Luxus, das ist Notwendigkeit. Und genau diese Notwendigkeit hält dein Gehirn fit.
Im Ruhestand fällt dieser Zwang weg. Es gibt keine externe Disziplin mehr, keine Konsequenz für Faulheit, keinen Grund, sich anzustrengen. In der Praxis sehe ich immer wieder dasselbe Muster: Menschen, die in den Ruhestand gehen und sich keine neue Aufgabe suchen, verlieren innerhalb von zwei bis drei Jahren spürbar an geistiger Schärfe. Das ist keine Meinung, das ist beobachtbare Realität.
Dazu kommt das soziale Umfeld. Wer wirtschaftlich aktiv ist, hat ein hochwertiges Netzwerk. Andere wollen mit dir Geschäfte machen, von dir lernen, deine Kontakte nutzen. Dieses Netzwerk ist nicht selbstverständlich, es entsteht durch aktive Teilnahme am Wirtschaftsleben.
Wie das soziale Netzwerk im Ruhestand kollabiert
Ich kenne genug Unternehmer, die ihre Firma für 20, 50 oder 100 Millionen Euro verkauft haben und danach in den Ruhestand gegangen sind. Was passiert? Die Menschen, die früher bei ihnen Schlange standen, interessieren sich plötzlich nicht mehr für sie. Selbst bei Autorennen in Monaco, bei Golfturnieren oder bei klassischen Veranstaltungen, wo reiche Leute unter sich sind, fällt der ehemalige Vorstandsvorsitzende oder Investmentbanker im Ruhestand auf. Er hat nichts mehr zu erzählen, was relevant ist.
Die Welt bewegt sich schnell. Was vor 10 Jahren passiert ist, interessiert niemanden. Was heute und morgen passiert, das interessiert. Wer nicht mehr aktiv ist, hat keinen Beitrag mehr. Und dann bleiben meistens zwei Arten von Menschen übrig: Leute, die auf Kosten des Ruhestands-Millionärs saufen und essen wollen, und solche, die etwas von seinem Geld wollen. Das ist keine angenehme Gesellschaft.
Ich werde sicherlich nicht den Friedhofsdirektor anrufen, um ein Begräbnis zu planen. Wenn ich ihn anrufe, dann weil ich eine Friedhofsimmobilie kaufen will. (Gerald Hörhan)
Warum der körperliche Abbau auf den geistigen folgt
Geistige Verwelkung und körperlicher Abbau gehen Hand in Hand. Wer nicht mehr arbeitet, bewegt sich weniger. Kein Grund mehr, fit zu sein, weil man performen muss. Kein Druck, pünktlich aufzustehen. Kein Anreiz, sich gesund zu ernähren. Das Umfeld wird älter, die Aktivitäten weniger, die Einsamkeit größer.
In der Praxis sieht das so aus: Der Bauch wird dicker, die Schritte langsamer, und nach ein paar Jahren beginnt der körperliche Abbau. Wer im Ruhestand ist, trifft sich mit anderen Ruheständlern. Das Gespräch dreht sich irgendwann nur noch darum, was alles wehtut. Das ist kein Klischee, das ist die Realität, die ich bei vielen Menschen beobachtet habe.
Ich war bei der 25-Jahres-Feier einer Mathematikolympiade. Der Leiter des Mathematikinstituts, ein Universitätsprofessor, der noch immer publizierte und lehrte, sah kaum gealtert aus. Die Lehrer, die in den Ruhestand gegangen waren, gingen am Stock. Obwohl manche von ihnen gesünder gelebt hatten. Der Unterschied war nicht die Ernährung, sondern die geistige Aktivität.
Was Ruhestand wirklich kostet: Die unterschätzten Zahlen
Neben den gesundheitlichen Folgen gibt es einen finanziellen Aspekt, den fast niemand richtig einkalkuliert. Der Ruhestand ist teurer als die meisten denken. Und zwar aus drei Gründen, die zusammen eine explosive Mischung ergeben.
Erstens: Wenn du arbeitest, zahlt dein Arbeitgeber oder deine eigene Firma vieles. Essen auf Dienstreise, Weiterbildung, Handy, Computer, Dienstwagen, Fachliteratur. Das fällt alles weg. Gleichzeitig hast du plötzlich viel Zeit zum Geldausgeben. Reisen in warme Gefilde im Winter, schöne Autos, Freunde einladen, weil es alleine langweilig ist. Das Geld fließt raus wie beim Taxi mit 250 auf der Autobahn.
Zweitens: Alles, was früher steuerlich absetzbar war oder über die Firma lief, muss jetzt aus nachversteuertem Geld bezahlt werden. Ein Elektroauto, eine Assistenz, Essen auf Geschäftsreisen: Das war früher steuerlich begünstigt. Im Ruhestand zahlst du alles brutto.
Drittens: Die Gesundheitskosten steigen mit dem Alter exorbitant. Wer mit moderner Medizin, guter Ernährung und aktivem Lebensstil seine aktive Lebenszeit um 10 bis 15 Jahre verlängern will, zahlt dafür. Gute Ärzte kosten Geld, private Gesundheitsversorgung kostet Geld, Personal, das einen im Alter betreut, kostet Geld. Alles aus nachversteuertem Einkommen.
Wie viel Vermögen brauchst du wirklich für den Ruhestand?
Wenn du das alles zusammenrechnest, kommst du zu einem ernüchternden Ergebnis. Um wirklich gut im Ruhestand zu leben, also nicht zu vegetieren, sondern zu reisen, gut zu essen, Freunde einzuladen und gute medizinische Versorgung zu haben, brauchst du laut Gerald Hörhan mindestens 10 Millionen Euro Vermögen. Und du musst ein halbwegs kundiger Investor sein, damit nach Steuern und Inflation noch einige Hunderttausend Euro pro Jahr übrig bleiben.
Das klingt auf den ersten Blick schockierend. Aber unterschätze nicht die Inflation, gerade bei Gesundheitskosten, bei privater Gesundheitsversorgung, bei schönen Reisen und bei allem, was Freizeitaktivitäten kosten. Golf, Tennis, gute Restaurants, Reisen: Das hat eine starke Inflation und ist deutlich teurer als noch vor 10 Jahren.
- Gesundheitskosten steigen mit dem Alter stark, oft privat zu finanzieren
- Reisen und Freizeitaktivitäten kosten mehr als im Arbeitsleben, weil mehr Zeit vorhanden ist
- Freunde einladen kostet viel, wenn die meisten sich das selbst nicht leisten können
- Steuern auf alle Ausgaben, weil keine Firmenstruktur mehr vorhanden ist
- Keine Gehalts- oder Unternehmensgewinne mehr, die das Vermögen auffüllen
Was ist die bessere Alternative zum klassischen Ruhestand?
Die Antwort ist simpel: aktiv bleiben, aber anders. Es gibt verschiedene Modelle. Das erste ist, einfach weiter in dem Job zu arbeiten, den man macht. Das zweite ist, operativer Investor oder Business Angel zu werden, der anderen hilft, aber nicht mehr 60 Stunden pro Woche arbeitet. Ein Teilruhestand, der trotzdem geistige Aktivität und soziale Einbindung erhält.
Schau dir Charlie Munger, Warren Buffett oder Sumner Redstone an. Die haben alle bis ins biblische Alter gearbeitet. Nicht weil sie mussten, sondern weil sie verstanden hatten, dass Aktivität das ist, was das Leben lebenswert macht. Munger war fast 100 und hat bis kurz vor seinem Tod aktiv Entscheidungen getroffen. Das ist kein Zufall, das ist Methode.
Sogar der Gründer von Southwest Airlines, der jeden Tag fünf Whisky getrunken und geraucht hat, wurde über 80. Weil er bis zum Schluss aktiv in seiner Airline tätig war. Die Aktivität hat die Laster kompensiert. Das zeigt, wie wichtig geistige und berufliche Aktivität wirklich ist.
Warum ist Ruhestand für die meisten der Beginn vom Ende?
Ich habe es bei sehr vielen Menschen gesehen: Der Ruhestand, ob mit wenig oder mit viel Geld, ist der Beginn vom Ende. Wer keine Notwendigkeit mehr hat, etwas zu tun, verliert die Disziplin. Wer keine Aufgabe mehr hat, verliert den Sinn. Wer kein hochwertiges Umfeld mehr hat, verliert die Stimulation.
Das Gehirn braucht Herausforderungen wie der Körper Bewegung. Wer aufhört zu trainieren, verliert Muskeln. Wer aufhört zu denken, verliert geistige Schärfe. Das ist Biologie, kein Schicksal. Und die gute Nachricht: Man kann dagegen ankämpfen. Aber nur, wenn man aktiv bleibt.
Aus meiner Sicht gibt es keinen vernünftigen Grund, in den klassischen Ruhestand zu gehen. Die Alternative ist nicht, sich zu Tode zu arbeiten. Die Alternative ist, etwas zu finden, das dir Freude macht und dich gleichzeitig geistig und sozial aktiv hält. Das kann ein kleineres Unternehmen sein, eine Beratertätigkeit, eine Investorenrolle oder ein ehrenamtliches Engagement. Hauptsache, du bleibst dabei.
Ruhestand
: Häufige Fragen
Häufige Fragen
Warum ist Ruhestand laut Gerald Hörhan keine gute Idee?
Ruhestand führt laut Hörhan zu geistiger Verwelkung, sozialem Rückzug und körperlichem Abbau. Wer keine Aufgabe mehr hat, verliert Disziplin, Netzwerk und Gesundheit schneller als erwartet. Dazu kommen massive finanzielle Belastungen, weil alle Ausgaben aus nachversteuertem Geld bezahlt werden müssen und die Gesundheitskosten mit dem Alter stark steigen.
Wie viel Vermögen braucht man für einen guten Ruhestand?
Laut Gerald Hörhan braucht man mindestens 10 Millionen Euro Vermögen, um wirklich gut im Ruhestand zu leben. Das bedeutet: reisen, gut essen, Freunde einladen und gute medizinische Versorgung finanzieren, ohne sich einschränken zu müssen. Wer weniger hat, vegetiert eher dahin, als wirklich zu leben.
Was passiert mit dem sozialen Netzwerk nach dem Ruhestand?
Das Netzwerk kollabiert schnell. Wer nicht mehr wirtschaftlich aktiv ist, hat nichts mehr zu bieten: keine aktuellen Informationen, keine Geschäftsmöglichkeiten, keine Entscheidungsmacht. Selbst bei exklusiven Veranstaltungen interessiert sich niemand für jemanden, dessen letzter großer Deal vor 10 Jahren war. Übrig bleiben oft nur Schmarotzer und Gleichgesinnte, die über Wehwehchen reden.
Welche Alternativen zum Ruhestand empfiehlt Gerald Hörhan?
Hörhan empfiehlt, aktiv zu bleiben, aber anders. Möglichkeiten sind: weiter im eigenen Job tätig bleiben, als operativer Investor oder Business Angel fungieren, Beratungsmandate übernehmen oder einen Teilruhestand leben, der trotzdem geistige Aktivität erhält. Wichtig ist, eine Aufgabe zu haben, die herausfordert und soziale Einbindung schafft.
Stimmt es, dass aktive Menschen länger und gesünder leben?
Ja, das zeigen sowohl Beispiele aus der Praxis als auch wissenschaftliche Erkenntnisse. Warren Buffett, Charlie Munger und viele andere haben bis ins hohe Alter aktiv gearbeitet und blieben geistig fit. Selbst Menschen mit ungesundem Lebensstil, wie der Southwest-Airlines-Gründer, wurden sehr alt, weil sie aktiv blieben. Aktivität kompensiert viele andere Risikofaktoren.

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