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Zinsen sinken 2024: Was Investoren jetzt wissen müssen
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Zinsen sinken 2024: Was Investoren jetzt wissen müssen

Wann sinken die Zinsen endlich? Gerald Hörhan erklärt, was EZB und Fed wirklich planen, warum Nullzinsen so schnell nicht zurückkommen und wie du deine Finanzierungen jetzt absichern solltest.

Gerald Hörhan
Geschrieben von
Gerald Hörhan
CEO InvestmentPunk Academy GmbH
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Auf einen blick Zusammengefasst

Zinsen sinken 2024 nur moderat: EZB und Fed planen je rund 0,5 Prozentpunkte Senkung, was kurzfristige Zinsen von über 5 % auf etwa 3 bis 4 % drückt. Langfristige Zinsen für 10-Jahres-Immobilienfinanzierungen bleiben bei 3 bis 4 Prozent, weil Markterwartungen sie bereits eingepreist haben. Nullzinsen kommen laut Gerald Hörhan nur bei einer schweren Finanzkrise zurück. Wer auf stark fallende Zinsen wartet, riskiert sein Geschäftsmodell. Besser: Finanzierungen jetzt auf 10 Jahre fix absichern.

Zinsen sinken 2024, aber deutlich langsamer und weniger stark als viele Investoren erhofft haben. Wer als Immobilienkäufer, Unternehmer oder Anleger auf einen raschen Rückfall zu Nullzinsen wartet, trifft gefährliche Entscheidungen. In diesem Artikel erkläre ich, was EZB und Fed tatsächlich planen, warum langfristige Zinsen eine eigene Logik haben und wie du deine Finanzierungen jetzt richtig aufstellst.

Wie kam es zum Zinsschock seit März 2022?

Jahrelang haben wir in einer Nullzins-Welt gelebt. Der 3-Monats-Euribor, die Basis für die meisten kurzfristigen Finanzierungen, lag bei minus 0,5 Prozent. Dann kam der Überfall Russlands auf die Ukraine im Februar 2022, gebrochene Supply Chains durch Covid und eine explodierende Nachfrage bei knappem Angebot. Im März 2022 erklärte Fed-Chef Powell, dass die Zinswende kommt.

Was folgte, war historisch gesehen extrem schnell: Die Fed hob ihren Leitzins auf über 5 Prozent an, die EZB zog auf 4,5 Prozent nach. Der 10-Jahres-Swapsatz im Euroraum, der vorher bei minus 0,5 Prozent lag, stieg auf fast 3,6 Prozent. Kurzfristige Finanzierungen kosteten plötzlich über 5 Prozent. Das hat viele Immobilienunternehmer und Häuslbauer kalt erwischt, besonders jene, die variabel finanziert hatten.

In Amerika kletterte die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen auf knapp unter 5 Prozent, kurzfristige US-Treasuries lagen sogar bei 5,5 bis 5,7 Prozent. Das ist der Ausgangspunkt, von dem aus wir heute über sinkende Zinsen reden.

Zinsen sinken: Was EZB und Fed wirklich angekündigt haben

Zinsen sinken 2024, das ist inzwischen Konsens. Aber das Ausmaß ist entscheidend. Sowohl die EZB als auch die Fed haben Zinssenkungen signalisiert, aber mit klaren Einschränkungen. Der Markt hat sich von seinen euphorischen Erwartungen Anfang 2024 bereits verabschiedet.

Konkret: Die EZB plant, den Leitzins in zwei Schritten um je 0,25 Prozentpunkte zu senken, von 4,5 Prozent auf rund 4,0 Prozent. Das bedeutet für den Euribor: Er fällt von aktuell rund 3,8 Prozent auf etwa 3,0 bis 3,4 Prozent. Ein halbes Prozent weniger, nicht mehr. Für kurzfristige US-Staatsanleihen wäre eine ähnliche Bewegung zu erwarten: von 5,5 Prozent auf vielleicht 4,8 bis 5,0 Prozent.

Was viele nicht verstehen: Es gibt verschiedene Zinssätze. Der EZB-Leitzins ist nur einer davon. Daneben gibt es Marktbasierte Zinssätze wie den Euribor für kurzfristige Finanzierungen und die Euro-Swapsätze für langfristige Finanzierungen sowie Anleihezinsen, die der Markt selbst festlegt. Und die langfristigen Zinsen folgen dem Leitzins nicht automatisch.

Warum langfristige Zinsen eine eigene Logik haben

Hier liegt der entscheidende Denkfehler vieler Investoren. Die langfristigen Zinsen sind bereits signifikant gefallen, noch bevor die EZB überhaupt gehandelt hat. Der 10-Jahres-Swapsatz liegt derzeit bei rund 2,8 bis 2,9 Prozent. Das bedeutet: 10-Jahres-Immobilienfinanzierungen sind für 3,5 bis 4,0 Prozent zu haben, je nach Bank und Bonität.

Wenn die EZB jetzt den Leitzins um 0,5 Prozent senkt, heißt das nicht, dass auch die 10-Jahres-Zinsen um 0,5 Prozent fallen. Die langfristigen Zinsen spiegeln die Markterwartungen über die gesamte Laufzeit wider, nicht nur den aktuellen Leitzins. Der Marktkonsens laut Gerald Hörhan ist klar: Der langfristige Basiszinssatz pendelt sich irgendwo zwischen 2,5 und 3,5 Prozent ein.

Nur weil die EZB die Zinsen senkt, fallen nicht alle Zinsen. Die kurzfristigen ja, weil die eng am Leitzins hängen. Die langfristigen nicht zwingend.

Dazu kommt eine Besonderheit: Wir haben derzeit eine sogenannte invertierte Zinskurve. Das bedeutet, kurzfristige Zinsen sind höher als langfristige. Variabel finanzieren kostet heute über 5 Prozent, auf 10 Jahre fix bekommst du 3,5 bis 3,7 Prozent. Das ist historisch unüblich und ein klares Signal.

Historische Einordnung: Sind 4 Prozent wirklich so hoch?

Viele Leute jammern über die aktuellen Zinsen. Das liegt daran, dass sie von einem Jahrzehnt Nullzinspolitik verwöhnt wurden. Aber diese Phase war historisch eine absolute Ausnahme, die typischerweise nur nach schweren Finanzkrisen auftritt.

Als ich meine Investmentbanking-Karriere begann, hat die Bank für 10-Jahres-Fixfinanzierungen zwischen 4,5 und 5 Prozent verlangt. Das ist fast 1 Prozent mehr als heute. Als ich 1992 mein Abitur machte, habe ich 8 Prozent Habenzinsen auf das Sparbuch bekommen, zur Zeit der deutschen Wiedervereinigung, als die D-Mark-Geldmenge massiv ausgeweitet wurde.

In den 1970er Jahren gab es nach dem Jom-Kippur-Krieg und dem arabischen Ölembargo kurzzeitig Zinsen von bis zu 13 Prozent in Amerika. Nach der iranischen Revolution 1979 und dem sowjetischen Einmarsch in Afghanistan stieg die Inflation in den USA auf 20 Prozent, und die Zinsen folgten. Das sind die echten historischen Extremwerte. Heute bei 4 bis 5 Prozent? Das ist normales Terrain.

Welche Risiken könnten die Zinsen wieder nach oben treiben?

In der Praxis unterschätzen die meisten Investoren das Upside-Risiko bei den Zinsen. Aus 25 Jahren Investmenterfahrung weiß ich: Märkte irren sich regelmäßig in beide Richtungen.

Folgende Szenarien könnten Zinsen wieder deutlich steigen lassen:

  • Geopolitische Eskalation im Nahen Osten: Ein größerer Krieg mit Ölembargo wie in den 1970ern würde die Inflation sofort anheizen und Zentralbanken zu Zinserhöhungen zwingen.
  • China-Taiwan-Konflikt: Eine Blockade oder Sanktionen gegen China würden Supply Chains für Elektronik, Maschinen und Konsumgüter zerreißen. Produktknappheit treibt Preise und damit Zinsen.
  • Deglobalisierung und Zollpolitik: Wenn Länder aufhören zu kooperieren und Zölle eingeführt werden, verteuern sich Importe. Das ist strukturelle Inflation, die Zentralbanken nicht ignorieren können.
  • Arbeitskräftemangel im Westen: Weniger Arbeitskräfte bedeuten weniger Produktion bei gleicher Nachfrage. Das Ergebnis ist Preisdruck.

Selbst der renommierte Ökonom Jamie Dimon hat öffentlich gesagt, dass unter bestimmten Umständen US-Zinsen bei 8 Prozent liegen könnten. Das ist kein Basisszenario, aber auch keine Fantasie.

Was solltest du als Investor jetzt konkret tun?

Laut Gerald Hörhan ist die Botschaft klar: Bau dein Geschäftsmodell nicht auf der Hoffnung auf, dass die Zinsen auf null fallen. Das wird nicht passieren, außer bei einer schweren Finanzkrise wie 2008.

Wenn du heute ein Immobilieninvestment oder einen Unternehmenskauf bei 3,5 bis 4 Prozent auf 10 Jahre fix kalkulierst und das Geschäft funktioniert, dann mach es. Und dann sichere die Finanzierung auch wirklich auf 10 Jahre fix ab. Nicht mit kurzfristiger Hoffnung auf fallende Zinsen variabel finanzieren, denn:

  • Kurzfristige Zinsen sind heute noch teurer als langfristige (invertierte Zinskurve).
  • Du zahlst jetzt mehr und hoffst auf eine Entwicklung, die möglicherweise nicht eintritt.
  • Wenn die Zinsen doch steigen, bist du mit variabler Finanzierung massiv exponiert.

Der Realzins ist dabei ein wichtiger Faktor. Wenn du 5 Prozent Zinsen zahlst, aber die Inflation bei 3 bis 4 Prozent liegt, hast du real nur 1 bis 2 Prozent Belastung. Wenn Inflation höher ist als dein Zinssatz, werden Schulden real entwertet. In diesem Umfeld bleiben harte Vermögenswerte wie Immobilien und Aktien attraktiv, solange die Finanzierung solide abgesichert ist.

Fazit: Zinsen sinken, aber nicht in die Nullzone

Die Zinswende nach unten hat begonnen, aber sie ist moderat und bereits weitgehend in den langfristigen Zinsen eingepreist. EZB und Fed werden die Leitzinsen um rund 0,5 Prozentpunkte senken. Das entlastet variable Finanzierungen etwas. Langfristige 10-Jahres-Finanzierungen bleiben bei 3 bis 4 Prozent, weil der Markt das schon antizipiert hat.

Nullzinsen kommen nur bei einer Systemkrise zurück. Und das Risiko, dass Zinsen wieder steigen, durch Geopolitik, Supply-Chain-Schocks oder Inflation, ist real und wird von vielen unterschätzt. Wer sein Geschäft auf sinkende Zinsen ausrichtet, spielt ein gefährliches Spiel.

Mein Rat aus der Praxis: Rechne mit stabilen oder leicht steigenden Zinsen. Sichere langfristig ab. Und kaufe Assets, die auch bei 4 Prozent Zinsen Cashflow generieren.

Zinsen sinken

: Häufige Fragen

Häufige Fragen

Wann sinken die Zinsen der EZB konkret?

Stand Mai 2024 hat die EZB signalisiert, den Leitzins von 4,5 % in zwei Schritten um je 0,25 Prozentpunkte auf rund 4,0 % zu senken. Weitere deutliche Senkungen sind kurzfristig nicht geplant. Wer auf Zinsen unter 2 % hofft, dürfte lange warten.

Was passiert mit Immobilienfinanzierungen, wenn die Zinsen sinken?

Kurzfristige variable Zinsen fallen direkt mit dem EZB-Leitzins. Langfristige 10-Jahres-Fixzinsen reagieren kaum, weil die Markterwartungen bereits eingepreist sind. Laut Gerald Hörhan pendeln sich 10-Jahres-Finanzierungen für Immobilien bei 3 bis 4 Prozent ein.

Kommen die Nullzinsen jemals zurück?

Nur bei einer sehr schweren Finanzkrise, vergleichbar mit 2008, würden Zentralbanken die Zinsen wieder auf null drücken. Ansonsten ist das Nullzins-Jahrzehnt eine historische Ausnahme, keine Normalität.

Warum sind die aktuellen Zinsen historisch gesehen gar nicht so hoch?

In den frühen 1990er Jahren lagen die Zinsen in Deutschland bei rund 8 Prozent, in den USA in den 1980ern sogar kurzzeitig bei über 13 Prozent. Das aktuelle Niveau von 4 bis 5 Prozent ist historisch betrachtet durchaus normal.

Welche Risiken könnten die Zinsen wieder nach oben treiben?

Geopolitische Eskalationen wie ein Ölembargo, Supply-Chain-Krisen durch einen China-Taiwan-Konflikt oder steigende Inflation durch Deglobalisierung könnten die Zentralbanken zu neuen Zinserhöhungen zwingen. Dieses Szenario ist laut Hörhan nicht unwahrscheinlich.

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