Die Unternehmensbewertung hängt davon ab, ob du ein Selbstständigen-Betrieb (S-Typ) oder ein echtes Unternehmen (U-Typ) bist. Ein S-Typ wie eine Steuerberaterkanzlei oder Arztpraxis wird nur nach Substanz und Umsatzmultipel bewertet. Ein U-Typ, der ohne den Gründer funktioniert, bekommt zusätzlich ein Cashflow-Multipel von 5 bis 10 gezahlt. Bei 500.000 Euro Jahresgewinn bedeutet das den Unterschied zwischen 1 Million und 8 Millionen Euro Verkaufserlös. Schulden, Altlasten und Steuertricksereien können den Wert auf null oder sogar ins Negative drücken.
Unternehmensbewertung: Warum die meisten Unternehmer keine Ahnung haben, was ihre Firma wert ist
Die Unternehmensbewertung ist eine der meistgestellten Fragen, die ich bekomme. Entweder will jemand Mitarbeiter oder Investoren mit Equity beteiligen und weiß nicht, was er eigentlich anbietet. Oder jemand überlegt, sein Unternehmen zu verkaufen, und hat keine realistische Vorstellung vom Wert. In vielen Fällen ist das Unternehmen der größte Vermögenswert, den jemand besitzt, noch vor den Immobilien. Und genau deshalb ist es fatal, diesen Wert nicht zu kennen.
S-Typ oder U-Typ: Der entscheidende Unterschied bei der Unternehmensbewertung
Bevor du auch nur anfängst, über Multiplikatoren oder Cashflow-Bewertungen nachzudenken, musst du eine grundlegende Frage beantworten: Was für ein Unternehmen hast du eigentlich?
Laut Gerald Hörhan gibt es zwei grundlegende Kategorien. Der erste Typ ist das sogenannte S-Typ-Unternehmen, also ein selbstständigengeprägter Betrieb. Dazu gehören Steuerberater, Arztpraxen, Rechtsanwaltskanzleien, IT-Agenturen, Vermögensberatungsagenturen und Handwerksbetriebe. Diese Unternehmen sind in der Praxis stark an die Person des Gründers gebunden. Wenn der Gründer nicht mehr da ist, läuft der Laden nur noch halb so gut oder gar nicht mehr. Ein klassisches Beispiel: Ein Sternerestaurant, bei dem der Sternekoch selbst in der Küche steht. Wenn er weg ist, sind auch die Sterne weg.
Der zweite Typ ist das U-Typ-Unternehmen, also ein echtes Unternehmen, das auch ohne den Gründer funktioniert. Das kann eine Softwarefirma sein, ein systemischer Gastronomiebetrieb mit 20 Filialen, eine Hausverwaltung oder ein Facility-Management-Unternehmen, das entsprechend aufgesetzt ist. Der entscheidende Punkt: Ein externer Geschäftsführer könnte das Unternehmen übernehmen und es würde weiter funktionieren.
Dieser Unterschied ist bei der Unternehmensbewertung fundamental. Er entscheidet darüber, ob du 1 Million oder 8 Millionen Euro für dein Unternehmen bekommst.
Wie wird ein S-Typ-Unternehmen bewertet?
Beim S-Typ-Unternehmen bewertest du primär die Substanz. Das bedeutet: Was hat das Unternehmen an Vermögenswerten, was hat es an Verbindlichkeiten, und was ist der Kundenstock wert? Die Bewertung orientiert sich in der Praxis meist an einem Umsatzmultipel. Konkret: Du nimmst den Jahresumsatz und multiplizierst ihn mit einem branchenüblichen Faktor. Dieser liegt je nach Branche und Qualität des Kundenstocks bei 0,3 bis 1,0.
Das bedeutet: Selbst wenn ein Steuerberater oder eine Arztpraxis sehr profitabel ist und 500.000 Euro Gewinn im Jahr macht, kommt bei der Bewertung kein spektakulärer Wert heraus. Du hast vielleicht etwas Cash, einige Forderungen, ein paar Verbindlichkeiten, aber keinen echten Firmenwert, der unabhängig von dir existiert. Aus 25 Jahren Investmenterfahrung weiß ich: Das ist der Punkt, an dem viele Selbstständige bitter enttäuscht sind, wenn sie ihr Lebenswerk verkaufen wollen.
Wie wird ein U-Typ-Unternehmen bewertet und welche Multiplikatoren gelten?
Beim U-Typ-Unternehmen ist die Unternehmensbewertung deutlich attraktiver. Hier bewertest du Substanz plus einen echten Firmenwert. Dieser Firmenwert ist ein Multipel des Cashflows (= Jahresüberschuss nach Steuern und Abschreibungen) oder des EBIT (= Ergebnis vor Zinsen und Steuern).
In der Praxis sieht das so aus: Ein Unternehmen macht 500.000 Euro Gewinn im Jahr. Die Substanz ist überschaubar, vielleicht Cash und Forderungen. Aber du bekommst plötzlich ein Cashflow-Multipel von 5, 7 oder sogar 8 bezahlt. Das ergibt einen Firmenwert von 2,5 bis 4 Millionen Euro, zuzüglich Substanz. Aus einem Jahresgewinn von 500.000 Euro wird ein Verkaufserlös von 5 bis 8 Millionen Euro. Das ist der Unterschied, der Menschen zu echten Vermögenswerten aufbauen lässt.
Die Höhe des Multiplikators hängt von mehreren Faktoren ab:
- Wachstumsrate der Branche: Schnell wachsende Branchen wie künstliche Intelligenz, Data Science oder digitale Medizin erzielen Multiplikatoren von 15 bis 20.
- Skalierbarkeit: Wer ein skalierbares Geschäftsmodell hat, bekommt deutlich mehr als ein klassischer Dienstleister.
- Abhängigkeit vom Gründer: Je unabhängiger das Unternehmen, desto höher der Multiplikator.
- Marktposition und Kundenbindung: Starke Marken und langjährige Kundenbeziehungen erhöhen den Wert.
„In vielen Fällen ist das Unternehmen der größte Vermögenswert, den jemand besitzt, noch vor den Immobilien. Und genau deshalb muss man wissen, was es wirklich wert ist." (Gerald Hörhan)
Was muss bei der Unternehmensbewertung abgezogen werden?
Jetzt kommt der Teil, den viele gerne übersehen. Bei der Unternehmensbewertung geht es nicht nur darum, einen attraktiven Cashflow-Multipel zu erzielen. Du musst auch eine Vielzahl von Abzügen berücksichtigen. Laut Gerald Hörhan sind das vor allem:
- Schulden des Unternehmens: Alle Verbindlichkeiten gegenüber Banken, Lieferanten und anderen Gläubigern werden vom Firmenwert abgezogen.
- Altlasten: Laufende Rechtsstreitigkeiten, ausstehende Steuernachzahlungen oder ungelöste Vertragsstreitigkeiten.
- Problemfälle: Mitarbeiter mit laufenden Klagen, Kunden mit offenen Forderungen, Verbindlichkeiten aus der Vergangenheit.
- Steuertricksereien: Das ist der gefährlichste Punkt. Wer jahrelang Steuern hinterzogen hat, hat eine tickende Zeitbombe im Unternehmen. Kommen die Steuerverbindlichkeiten plus Strafzuschläge ans Licht, kann das den gesamten Firmenwert auf null oder sogar ins Negative drücken.
In der Praxis wird all das im Rahmen einer Due-Diligence-Prüfung genau untersucht. Das ist kein kurzer Prozess. Es wird lange über die Abzüge gesprochen und verhandelt. Wer als Käufer oder Investor diese Prüfung überspringt, riskiert, Haus und Hof zu verlieren.
Was macht ein Unternehmen unverkäuflich?
Es gibt Unternehmen, die auf dem Papier sehr profitabel wirken, aber de facto unverkäuflich sind. Der häufigste Grund: jahrelange Steuerhinterziehung. Ein Unternehmer, der regelmäßig Umsätze nicht versteuert hat, mag persönlich gut verdient haben. Aber wenn die Steuerverbindlichkeiten inklusive aller Strafzuschläge auf den Tisch kommen, übersteigen diese oft den gesamten Firmenwert. Das Ergebnis ist ein negativer Unternehmenswert. Kein seriöser Käufer wird sich an so einem Unternehmen beteiligen.
Dasselbe gilt für Unternehmen, die durch Missmanagement oder grobe Fehler des Gründers systematisch entwertet wurden. Die Liste der Dummheiten, die ein Unternehmen wertlos machen können, ist lang. Stand 2024 sehe ich das immer wieder: Unternehmer, die ihr Lebenswerk verkaufen wollen, und dann feststellen, dass der Wert durch eigene Fehler massiv reduziert wurde.
Wie kannst du den Wert deines Unternehmens steigern?
Die wichtigste Stellschraube ist die Frage, ob dein Unternehmen auch ohne dich funktioniert. Wenn du morgen nicht mehr da wärst, würde das Unternehmen weiterlaufen? Wenn die Antwort nein ist, hast du ein S-Typ-Unternehmen, egal wie profitabel es gerade ist.
Der Weg vom S-Typ zum U-Typ ist kein einfacher, aber er ist möglich. In der Praxis bedeutet das: Prozesse dokumentieren, Führungskräfte aufbauen, Kundenbindung institutionalisieren statt personalisieren, und Systeme etablieren, die unabhängig von deiner täglichen Anwesenheit funktionieren. Wer das schafft, hebt seinen Unternehmenswert um ein Vielfaches. Aus einem Selbstständigen-Betrieb wird ein echtes Unternehmen, das verkäuflich ist und echte Vermögenswerte schafft.
Wer außerdem in Branchen mit hohem Wachstum tätig ist, etwa im Bereich künstliche Intelligenz oder digitale Medizin, kann bei einem Verkauf Multiplikatoren von 15 bis 20 erzielen. Bei 500.000 Euro Cashflow bedeutet das einen Verkaufserlös von 7,5 bis 10 Millionen Euro. Das ist der Weg, auf dem echte Vermögen entstehen.
Wann brauchst du professionelle Hilfe bei der Unternehmensbewertung?
Unternehmensbewertung ist kein einfacher Prozess. Wer sich da ohne Wissen hineinarbeitet, macht teure Fehler. Das gilt sowohl für Käufer als auch für Verkäufer. Als Käufer oder Investor übersieht man schnell wesentliche Risiken und verliert mehr als das eingesetzte Kapital. Als Verkäufer lässt man ohne das richtige Wissen erhebliches Geld auf dem Tisch liegen.
Professionelle Hilfe ist in folgenden Situationen unverzichtbar: bei der ersten Beteiligung an einem Unternehmen, beim Verkauf des eigenen Unternehmens, bei der Aufnahme von Investoren oder bei der Beteiligung von Mitarbeitern mit Equity. In allen diesen Fällen muss man wissen, was man tut. Die Fehlerkosten sind zu hoch, um sie dem Zufall zu überlassen.
Unternehmensbewertung
: Häufige Fragen
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen S-Typ und U-Typ bei der Unternehmensbewertung?
Ein S-Typ ist ein selbstständigengeprägtes Unternehmen, das ohne den Gründer kaum funktioniert, zum Beispiel eine Steuerberaterkanzlei, Arztpraxis oder IT-Agentur. Ein U-Typ ist ein echtes Unternehmen, das auch unter externer Führung läuft. Bei der Unternehmensbewertung erhält ein S-Typ nur Substanz und Kundenstockwert. Ein U-Typ bekommt zusätzlich ein Cashflow-Multipel von 5 bis 10, was den Wert um ein Vielfaches steigert.
Wie berechnet man den Firmenwert bei einem profitablen Unternehmen?
Laut Gerald Hörhan wird der Firmenwert eines U-Typs aus zwei Komponenten berechnet: Substanz (Vermögenswerte minus Verbindlichkeiten) plus einem Cashflow-Multipel oder EBIT-Multipel. Bei 500.000 Euro Jahresgewinn und einem Multipel von 8 ergibt das 4 Millionen Euro Firmenwert, zuzüglich Substanz. Davon werden dann Schulden, Altlasten und Problemfälle abgezogen.
Wann ist ein Unternehmen unverkäuflich oder negativ bewertet?
Ein Unternehmen kann einen negativen Unternehmenswert haben, wenn die Altlasten, Schulden und Problemfälle den Firmenwert übersteigen. Ein klassisches Beispiel ist eine Firma, die jahrelang Steuern hinterzogen hat. Kommen Steuerverbindlichkeiten plus Strafzuschläge ans Licht, übersteigen diese oft den gesamten Firmenwert. Das Unternehmen ist dann unverkäuflich.
Was kostet mich eine fehlerhafte Unternehmensbeteiligung?
Wer beim Kauf oder der Beteiligung an einem Unternehmen wesentliche Risiken übersieht, kann mehr als sein eingesetztes Kapital verlieren. Besonders gefährlich sind versteckte Steuerverbindlichkeiten, laufende Rechtsstreitigkeiten und Altlasten, die erst nach dem Kauf sichtbar werden. Eine gründliche Due-Diligence-Prüfung ist deshalb keine Option, sondern Pflicht.
Was ist eine Due-Diligence-Prüfung und warum ist sie bei der Unternehmensbewertung so wichtig?
Due Diligence bedeutet die sorgfältige Prüfung eines Unternehmens vor dem Kauf oder der Beteiligung. Dabei werden Schulden, Verbindlichkeiten, Steuerrisiken, Verträge und Problemfälle geprüft. Laut Gerald Hörhan wird in diesem Prozess auch intensiv über Abzüge verhandelt. Wer die Due Diligence überspringt, riskiert, Haus und Hof zu verlieren.

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